Ein Mauerbild mit Motiven zur Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Mexiko am 3. Oktober 2025 in Mexiko-Stadt (Mexiko). Bild: Tobias Käufer/KNA

WM-Gastgeberland Mexiko kommt nicht zur Ruhe – Regierung unter Druck

Schüsse auf Touristen und ein Besuch des UN-Menschenrechtskommissars setzen Mexikos Regierung vor der Fußball-WM im Sommer unter Druck. Nun meldet sich auch die Kirche kritisch zu Wort.

Text: Tobias Käufer (KNA) | Bild: Tobias Käufer/KNA

Wenige Wochen nach einer tödlichen Polizeiaktion gegen Drogenboss „El Mencho“ und den folgenden Unruhen im Bundesstaat Jalisco kommen erneut besorgniserregende Nachrichten aus dem WM-Gastgeberland Mexiko. Am Montag ereignete sich an den bei Touristen beliebten Pyramiden von Teotihuacán nahe Mexiko-Stadt ein Schusswaffen-Angriff. Laut der Zeitung „El Universal“ kamen zwei Menschen ums Leben, mehr als ein Dutzend wurden verletzt. Die Hintergründe sind unklar.

Weil es unter den Verletzten etliche ausländische Gäste gibt, ist der Vorfall kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer besonders brisant. Die mediale Aufmerksamkeit ist groß.

Die Schlagzeilen kommen für die mexikanische Regierung zur Unzeit, denn zeitgleich ist UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk im Land zu Besuch. Er kümmert sich um ein Thema, über das Präsidentin Claudia Sheinbaum nicht gerne spricht: das Schicksal der mehr als 100.000 als vermisst geltenden Menschen in Mexiko. Türk dürfte die angespannte Sicherheitslage mit Blick auf die WM-Ausrichtung und die nahende Touristenflut mit einiger Besorgnis verfolgen.

Auch die katholische Kirche meldet Bedenken an. Kardinal Francisco Robles Ortega von Guadalajara nahm die jüngsten Zwischenfälle zum Anlass, die Ausrichterrolle Mexikos grundsätzlich in Frage zu stellen. Der einflussreiche Kirchenmann zweifelt überdies die demokratische Legitimation des gesamten Projekts an.

„Tatsache ist, dass man uns nicht fragt, ob wir damit einverstanden sind, unser Land unter den gegebenen Umständen auf eine solche Veranstaltung festzulegen“, sagte der Kardinal in einem Interview. Da waren die tödlichen Schüsse von Teotihuacán noch gar nicht gefallen.

Kardinal: Die eigentlichen Probleme bleiben unbeachtet

Die WM-Entscheidung sei von Politikern und Funktionären getroffen worden, nicht von der Bevölkerung. Dabei hätten wirtschaftliche Kriterien eine wichtigere Rolle gespielt als soziale Aspekte. Die eigentlichen Probleme, mit denen Mexiko im Alltag zu kämpfen habe, blieben unbeachtet. „Die Entscheidung wurde getroffen, und nun wird das einfach so gemacht“, kritisierte der Kardinal.

Robles Ortega forderte die Regierung auf, eine Aufforderung des UN-Menschenrechtsbüros ernst zu nehmen. Dieses hatte Mexiko ermahnt, mehr für die Aufklärung der Vermisstenfälle zu tun. Viele der Opfer wurden mutmaßlich von Drogenkartellen entführt. Der Staat agiert weitgehend hilflos.

Wenn die Vereinten Nationen sich zu dem Thema äußerten, dann sicherlich auch, um Unterstützung anzubieten und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, so der Kardinal. Er fügte hinzu: „Hoffentlich öffnet unsere Regierung die Augen für die Realität.“

UN-Menschenrechtskommissar Türk hält sich noch bis Mittwoch in Mexiko auf. Neben einem Treffen mit Präsidentin Sheinbaum sind Begegnungen mit Vertretern der Zivilgesellschaft und Opfern von Menschenrechtsverletzungen geplant. Darunter sind auch Repräsentanten indigener Völker und Angehörige von vermissten Personen. Eine für Mittwoch angekündigte Pressekonferenz wird angesichts der WM-Gastgeberrolle nicht nur von mexikanischen Medien mit Spannung erwartet.

In Mexiko finden in drei Städten insgesamt 13 WM-Spiele statt. Im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt krönten sich 1970 Pelé und 1986 Diego Maradona zum Weltmeister, außerdem rollt der Ball in Monterrey und in Guadalajara. Dort wird am 11. Juni auch das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika angepfiffen.


Menschenrechte in Mexiko

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