Bischof Dr. Bertram Meier (Augsburg) 2024. Bild: Julia Steinbrecht/KNA

Bischof Meier: Radikaler Islam ist in Bosnien nicht auf dem Vormarsch

Der Weltkirche-Bischof der Deutschen Bischofskonferenz zieht nach einem Besuch in Bosnien-Herzegowina ein eher optimistisches Fazit. 30 Jahre nach dem Bosnienkrieg sieht er die Religionsgruppen als engagierte Partner.

Der katholische Bischof Bertram Meier hält eine islamistische Radikalisierung auf dem Balkan für unwahrscheinlich. Bei seiner jüngsten Reise nach Bosnien-Herzegowina habe er zwar auch die Sorge wahrgenommen, „dass externe Scharfmacher die Unzufriedenheit junger Menschen für ihre radikale Agenda ausnutzen wollen“, sagte Meier, der in der Deutschen Bischofskonferenz für den Bereich Weltkirche zuständig ist, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Aber: „Glücklicherweise gibt es hier im Land ein geschärftes Bewusstsein dafür, welch gefährliches Potenzial radikale Strömungen in sich bergen.“ Das Bestreben, den moderaten Weg des bosnischen Islam fortzusetzen, verdiene Unterstützung.

Der Bischof von Augsburg hatte sich in der vergangenen Woche vier Tage lang in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo ein Bild von der politischen Lage und dem Zusammenleben der Religionen in Bosnien-Herzegowina gemacht. Rund 30 Jahre nach dem Krieg zwischen orthodoxen bosnischen Serben, muslimischen Bosniaken und überwiegend katholischen Kroaten bleiben die Trennlinien zwischen den Ethnien dort sehr präsent.

Als einen Höhepunkt seines Sarajevo-Besuchs bezeichnete Meier „ein sehr herzliches und inhaltlich tiefgründiges Gespräch“ mit dem Großmufti der Bosniaken, Reisul-ulema Husein Kavazović. „Dabei hat der Großmufti hervorgehoben, dass der bosnische Islam sich europäischen Grundwerten verpflichtet weiß und sich daher jedem Extremismus widersetzt.“ Für den obersten Repräsentanten der bosnischen Muslime stehe außer Frage, dass der Staat säkular verfasst sein muss. „Nur so lässt sich in einer multireligiösen Gesellschaft gewährleisten, dass die Menschenrechte aller geschützt werden.“

Die drei Volksgruppen im Land definierten sich stark über die Religionszugehörigkeit, fügte Meier hinzu. Gleichzeitig betonten die Repräsentanten des Islams, der katholischen und der serbisch-orthodoxen Kirche sowie des Judentums ihre gemeinsame Verantwortung für den Frieden. Dazu hätten sie in der Vergangenheit einen Interreligiösen Rat gegründet, der sich stark in der Dialogarbeit engagiere.

Meier führte in Sarajevo auch Gespräche mit dem deutschen Botschafter Alfred Grannas und dem Hohen Repräsentanten für Bosnien-Herzegowina, dem Deutschen Christian Schmidt, der die Einhaltung des Friedensvertrags von Dayton aus dem Jahr 1995 überwacht. „Die große Mehrheit der Menschen in Bosnien und Herzegowina sieht die Zukunft ihres Landes in der Europäischen Union“, so der Bischof. Für diese Vision seien jedoch tiefgreifende Reformen notwendig.

Text: KNA | Bild: Julia Steinbrecht/KNA

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