Treffen zwischen Bischöfen und Muslimen 2026. Bild: Marko Orlovic/Deutsche Bischofskonferenz

Bischöfe empfangen Musliminnen und Muslime – Frieden im Fokus

Das Gespräch zwischen Christen und Muslimen ist für die deutsche Gesellschaft wichtiger denn je. Beim diesjährigen Empfang der katholischen Bischöfe für die muslimischen Dialogpartner setzte man auf die Gemeinsamkeiten.

Christen und Muslime haben für ein friedliches und solidarisches Miteinander geworben. Bischof Bertram Meier rief beim Jahresempfang der katholischen Deutschen Bischofskonferenz für die Akteure im christlich-islamischen Dialog in Frankfurt am Freitagabend zum Schulterschluss gegen radikale Kräfte und für eine offene Gesellschaft auf.

„Wir brauchen echte Solidarität, wenn Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit Anfeindungen und Übergriffe erfahren“, so der Augsburger Bischof. Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und jede Form von Menschenfeindlichkeit dürften in der Gesellschaft keinen Platz haben.

Meier, in der Bischofskonferenz Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog, erinnerte an das Weltgebetstreffen der großen Religionen für den Frieden 1986 in Assisi auf Einladung von Papst Johannes Paul II. „Als gläubige Menschen wissen wir, dass Frieden letztlich immer ein Geschenk Gottes ist. Damit jedoch der Friede, den Gott gibt, in dieser Welt wirksam wird, bedarf es unserer Mitwirkung“, betonte Meier.

Rund 120 Gäste waren der Einladung zu dem Empfang im Frankfurter Haus am Dom gefolgt. Bei einem Eröffnungsgebet im Dom betonte Meier, dass Christen und Muslime trotz Unterschieden in der Glaubenslehre geistliche Berührungspunkte teilten. Beide Religionen vertrauten sich einem barmherzigen Schöpfergott an. Er appellierte an die gemeinsame Verantwortung für den Frieden in der Welt. „Denn Frieden ist mehr als das Schweigen der Waffen – er beginnt im Herzen der Menschen.“

Die Vorsitzende der Christlich-Islamischen Gesellschaft, Dunya Elemenler, warb in ihrem Grußwort für aktives Handeln. Es gehe darum, „nicht nur Unterschiede zu benennen, sondern vor allem Vertrauen wachsen zu lassen“, so die Muslimin. Denn am Ende entscheide sich die Zukunft des interreligiösen Dialogs im Miteinander der Menschen. „Wenn es uns gelingt, Dialog als echte Beziehungsarbeit zu verstehen und zu leben, dann kann daraus mehr entstehen als Verständigung: nämlich gegenseitige Wertschätzung, Vertrauen – und vielleicht sogar Freundschaft.“

Der katholische Bischof von Innsbruck, Hermann Glettler, und der muslimische Religionspädagoge und Imam Abualwaffa Mohammed berichteten über ihre gemeinsamen Dialogerfahrungen, über die sie 2025 ein Buch veröffentlicht haben. Glettler hob eine Haltung von Offenheit hervor: „Fruchtbare Dialoge gelingen nur, wenn wir uns selbst verletzlich machen und uns aus der Sicherheitszone der eigenen Positionen herauslocken lassen – hin zu einer beglückenden Erfahrung des Menschseins.“

Imam Mohammed warnte vor Freund-Feind-Denken und ideologischen Vereinfachungen, die Rassisten und radikale Islamisten verbinde. „Einen Ausweg gibt es nur, wenn wir versuchen, in jedem einen Menschen zu sehen.“

Es war der siebte Jahresempfang der Bischofskonferenz für die Partnerinnen und Partner im christlich-muslimischen Dialog. Dessen Ursprünge gehen in der katholischen Kirche zurück auf das Dokument „Nostra aetate“ des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Die Kirche vollzog darin eine Öffnung zu anderen Religionen. Nach Jahrhunderten von Gegensätzen und Feindschaft zwischen Christen und Muslimen bekundete das Konzilsdokument 1965 Hochachtung vor dem Islam. Insbesondere die Päpste Johannes Paul II. und Franziskus förderten später den Dialog mit den Muslimen.

Auch die katholische Kirche in Deutschland führt das Gespräch mit Musliminnen und Muslimen, Islamverbänden und weiteren Vertretern auf vielen Ebenen. So haben etliche Bistümer eigene Islam-Beauftragte. Mit der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle Cibedo in Frankfurt am Main unterhält die Bischofskonferenz zudem eine wissenschaftliche Fachstelle für den christlich-islamischen Dialog.

Text: KNA | Bild: Marko Orlovic/Deutsche Bischofskonferenz

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