Awni Batish, Rektor der Salvatorschule in Nazareth. Bild: Salvatorianerinnen weltweit

Stimmung in Nazareth angespannt – Sorge um Zusammenhalt

Nazareth hat vor allem für Christen einen besonderen Klang. Hier wuchs der biblischen Überlieferung zufolge Jesus auf. In der Gegenwart hat die Stadt in Israel unter den Folgen des Nahost-Konflikts massiv zu leiden.

Wie in vielen anderen Städten in Israel auch ist die Stimmung in Nazareth laut Augenzeugenberichten angespannt. „Wir leben wieder wie in einem Kriegszustand“, sagte der Leiter der katholischen Salvatorschule, Awni Bathish, der Redaktion der Homepage der Salvatorianerinnen weltweit. Die Schule der Ordensgemeinschaft gehört zu den angesehensten Bildungseinrichtungen in Israel.

„Früher habe ich den Tag geplant. Termine, Gespräche, Unterricht“, schilderte Bathish die Situation. „Heute beginnt jeder Tag damit, dass wir uns fragen, was heute überhaupt möglich ist. Man bleibt viel in den eigenen vier Wänden.“ Aufgrund ständiger Beschüsse überlege man sich selbst kleine Wege zweimal.

Er denke oft an einen Schüler, der ihm gesagt habe: „Ich kenne Zoom besser als mein Klassenzimmer“, so der Schulleiter. „Das macht mich sehr nachdenklich. Diese Kinder wachsen mit ständigen Unterbrechungen auf. Corona, Konflikte, immer wieder Onlineunterricht. Sie verlieren das Gefühl für einen normalen Schulalltag, für das Miteinander und für ihre Mitmenschen.“

Unterdessen nähmen in der Stadt selbst die Spannungen zu, auch unter den arabischen Bewohnern, sagte Bathish. „Es vergeht kein Tag, an dem nicht Menschen überfallen, zusammengeschlagen oder erschossen werden.“ Es scheine, als ob kriminelle Gruppen mit Mafia-Methoden die Oberhand gewinnen wollten und ihre Bereiche absteckten. „Und viele haben den Eindruck, dass die Polizei nichts dagegen unternimmt.“

Zugleich würden Dinge des täglichen Bedarfs immer teurer. „Produkte, die früher selbstverständlich waren, kosten deutlich mehr. Familien sprechen darüber, wie sie sparen können“, sagte Bathish.

Ertönten die Sirenen wegen Raketenalarms, greife er immer zuerst zum Handy, um sich zu vergewissern, dass alle seine Angehörigen in Sicherheit seien. Ein Grund dafür sei, dass es im arabischen Nazareth nicht so viele Schutzräume gebe wie im jüdischen Nazareth-Illit. Nazareth hat unter Israels Städten den höchsten Anteil an arabischen Israelis.

Zuversicht schöpfe er aus seiner Arbeit, bekannte der Schulleiter. „Wenn ich an unsere Schule denke, sehe ich mehr als nur ein Gebäude. Ich sehe eine Gemeinschaft aus Christen und Muslimen, aus arabischen Israelis und Menschen in Europa, die uns immer wieder unterstützen.“

Das gebe ihm Kraft ebenso wie die Geschichte der christlichen Gemeinschaft in Nazareth. „Wir leben seit Jahrhunderten an den heiligen Orten der Bibel. Wir haben in dieser Tradition schon viele Krisen erlebt und ausgestanden.“ Der biblischen Überlieferung zufolge wuchs Jesus in Nazareth auf.

Text: KNA | Bild: Salvatorianerinnen weltweit

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