Erstmals steht eine Frau an der Spitze der Anglikanischen Gemeinschaft. Sarah Mullallys katholisches Pendant, Papst Leo XIV., gratulierte ihr. Und erinnerte an gemeinsame Erfolge – und Herausforderungen.
Papst Leo XIV. hat dem neuen geistlichen Oberhaupt der Anglikanischen Gemeinschaft, Sarah Mullally, zur Amtseinführung als Erzbischöfin von Canterbury „herzliche Grüße“ gesendet. Zugleich erinnert er in dem am Donnerstag vom Vatikan veröffentlichten Glückwunsch an gemeinsame ökumenische Anstrengungen und Herausforderungen. Der auf Englisch verfasste Gruß an die erste Frau in dem Spitzenamt beginnt mit der förmlichen Anrede „An die Hochwürdigste und Ehrenwerte Dame Sarah Mullally, Erzbischöfin von Canterbury“.
„Ich weiß, dass das Amt, für das Sie berufen wurden, eine große Verantwortung mit sich bringt, nicht nur in der Diözese Canterbury, sondern in der gesamten Kirche von England und der Anglikanischen Gemeinschaft“, schreibt der Papst. „Zudem treten Sie Ihr Amt in einer herausfordernden Zeit für die anglikanische Familie an.“ Er bete um Weisheit und Heiligen Geist für die neue Erzbischöfin, und dass sie sich am Beispiel Marias, der Mutter Gottes, orientiere, so das katholische Kirchenoberhaupt.
Die langjährige Bischöfin von London Mullally (63) war am Mittwoch als erste Frau als geistliches Oberhaupt der Anglikanischen Gemeinschaft eingeführt worden. Weltliches Oberhaupt der Kirche von England ist König Charles.
Papst hebt Zusammenarbeit hervor
Weiter erinnert Leo XIV. an die Gemeinsame Erklärung zu den Beziehungen zwischen Anglikanern und Katholiken, die Papst Paul VI. und der damalige Erzbischof von Canterbury, Michael Ramsey, am 24. März 1966 unterzeichnet hatten. „Dieses neue Kapitel respektvoller Offenheit hat in den vergangenen sechs Jahrzehnten reiche Früchte getragen und wirkt bis heute fort.“
Auch die Internationale Anglikanisch-Römisch-Katholische Kommission (ARCIC) trage zu einem tieferen gegenseitigen Verständnis bei, so der Papst. „Die Früchte dieser wertvollen Arbeit haben uns die Freiheit gegeben, gemeinsam wirkungsvoller Zeugnis abzulegen“, so Leo XIV. „Dies ist angesichts der vielfältigen Herausforderungen, vor denen unsere Menschheitsfamilie heute steht, von besonderer Bedeutung. Ich bin daher dankbar, dass dieser wichtige Dialog fortgesetzt wird.“
Trotz Meinungsverschiedenheiten seien beide Seiten ihren gemeinsamen Weg weitergegangen, „denn Unterschiede können uns nicht daran hindern, einander aufgrund unserer gemeinsamen Taufe als Brüder und Schwestern in Christus zu erkennen“, betonte Leo. „Es wäre ein Skandal, wenn wir aufgrund unserer Spaltungen unserer gemeinsamen Berufung, Christus bekannt zu machen, nicht nachkämen“, zitierte Leo seinen Vorgänger Franziskus.
„Liebe Schwester, ich mache mir diese Worte gern zu eigen, denn nur durch das Zeugnis einer versöhnten, brüderlichen und geeinten christlichen Gemeinschaft wird die Verkündigung des Evangeliums am deutlichsten erklingen“, so der Papst. „In diesen brüderlichen Worten bitte ich Sie um den Segen des allmächtigen Gottes, während Sie Ihre hohen Aufgaben übernehmen. Möge der Heilige Geist auf Sie herabkommen und Sie im Dienst des Herrn fruchtbar machen“, schließt der Papst.
Text: KNA | Bild: Sabine Kleyboldt/KNA






