Mit einem Arbeitspapier reagiert die Deutsche Bischofskonferenz auf Veränderungen im muslimischen Leben hierzulande. Die Bischöfe benennen Grundlagen für den Dialog und sprechen auch Themen mit Konfliktpotenzial an.
Veränderungen im muslimischen Leben in Deutschland verändern auch den Dialog zwischen Christen und Islam: Davon ist die Deutsche Bischofskonferenz überzeugt. Ein neues Arbeitspapier mit dem Titel „Christlich-muslimische Beziehungen in Deutschland“ soll dafür Orientierung geben. Migration habe zur Pluralisierung der Muslime in Deutschland beigetragen, sagte der Augsburger Bischof Bertram Meier am Mittwoch bei der Vorstellung der Arbeitshilfe in Würzburg. Meier ist Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der Bischofskonferenz.
Auch wie sehr Muslime ihre Religion praktizierten, sei unterschiedlich, so Meier weiter. Durch den Aufbau einer islamischen Hochschultheologie seien neue Möglichkeiten des interreligiösen Dialogs entstanden, auch das gemeinsame ehrenamtliche Engagement habe einen Aufschwung erlebt.
Nicht frei von Konflikten
Das Verhältnis zwischen den Religionen ist aber laut Meier auch nicht frei von Konflikten. Gerade zwischen jüdischen und muslimischen Akteuren sei das Vertrauen nach dem Terrorangriff der palästinensischen Hamas auf Israel und dem Gazakrieg vielerorts erschüttert worden. Christen könnten hier Brücken bauen. Zudem verwies der Bischof auf religionspolitische Kontroversen rund um den Islam. Die neue Arbeitshilfe wolle hier Leitprinzipien für kirchliche Positionierungen geben.
Die Arbeitshilfe beschäftigt sich mit theologischen Grundlagen beider Religionen, Entwicklungen im muslimischen Leben sowie mit muslimischen Gruppen und Religionsgemeinschaften in Deutschland. Sie hält fest, an welchen Stellen Christen und Muslime schon gelingende Beziehungen hätten und welche Themen Konfliktpotenzial bergen. Zudem beschreibt sie kirchliche Perspektiven auf islamisches Glaubensleben, etwa auf Feste und Rituale.
Die Bischöfe betonen, dass eine ernsthafte Begegnung mit muslimischen Gläubigen den christlichen Glauben nicht gefährde, sondern ihn bereichere. Dennoch ziele interreligiöser Dialog nicht auf ein gemeinsames Glaubenszeugnis, sondern friedliches Miteinander.
Experten: Zuhören, wertschätzen – und differenzieren
Der Islam dürfe weder oberflächlich abgelehnt oder mit Terror gleichgesetzt werden, noch dürfe man Gemeinsamkeiten nur oberflächlich betonen, sagte Tobias Specker. Dialog schließe theologische Ernsthaftigkeit, gegenseitige Achtung, klare Kriterien wie Religionsfreiheit und Wahrheitssuche sowie gemeinsame Verantwortung für das Gemeinwohl ein, so der Frankfurter Professor für Katholische Theologie im Angesicht des Islam.
Der Erlanger Jurist Mathias Rohe warnte vor pauschale Zuschreibungen gegenüber Muslimen. Zwischen konservativen Positionen und islamistischem Herrschaftsanspruch müsse unterschieden werden. Nur eine differenzierte Betrachtung ermögliche es, tatsächliche Gefahren zu erkennen.
Dunya Elemenler, Vorsitzende der Christlich-Islamischen Gesellschaft, betonte, Dialog sei ein fortwährender Prozess. Grundlage seien Wertschätzung, Respekt und aktives Zuhören. „Der interreligiöse Dialog zeigt seine wahre Stärke dort, wo Worte in gemeinsames Handeln übergehen“, so Elemenler. Der Aufbau gemeinsamer Strukturen, etwa im sozialen Bereich, brauche lange Beziehungsarbeit und die Bereitschaft, Verantwortung füreinander zu übernehmen.Bereitschaft, voneinander zu lernen.
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Die Arbeitshilfe Nr. 348: „Christlich-muslimische Beziehungen in Deutschland“ kann im DBK-Shop bestellt oder kostenlos heruntergeladen werden:
Text: KNA | Bild: Canva-Mockup auf Grundlage von DBK






