Osttimor ist seit Ende 2025 Mitglied des südostasiatischen Staatenbunds ASEAN. Wegen der Unterstützung des demokratischen Widerstands hatte Myanmar lange versucht, die ASEAN-Mitgliedschaft Osttimors zu verhindern.
Myanmars Militärregierung hat den Vertreter von Osttimor wegen eines Gerichtsverfahrens in seinem Land gegen die Armee Myanmars ausgewiesen. Die Eröffnung des Verfahrens sei „bedauerlich“ und der Empfang einer Delegation der „Chin Human Rights Organisation“ (CHRO) durch Präsident José Ramos-Horta „inakzeptabel“, hieß es am Montag in einer Erklärung des Außenministeriums von Myanmar.
Die Justiz des katholischen Osttimor hatte Anfang Februar auf Antrag der CHRO das Verfahren gegen das Militär von Myanmar eröffnet. Die Chin, die im gleichnamigen Bundesstaat im Westen Myanmars leben, sind die einzige zu fast 100 Prozent christliche Ethnie des überwiegend buddhistischen Landes. Ihre Miliz kämpft im myanmarischen Bürgerkrieg gegen die Armee.
Ein „derart unkonstruktives Engagement“ eines ASEAN-Mitgliedstaates zusammen mit einer „ungesetzlichen Organisation, die gegen einen anderen ASEAN-Mitgliedstaat gerichtet ist“, sei völlig inakzeptabel und stelle einen eklatanten Verstoß gegen die in der ASEAN-Charta verankerten Grundprinzipien dar, hieß es in der im Wortlaut auf der Internetseite des Junta-Sprachrohrs „Neues Globales Licht von Myanmar“ veröffentlichten Erklärung. Als einziges ASEAN-Mitglied steht Osttimor eindeutig auf der Seite des demokratischen Widerstands in Myanmar.
Die Klage basiert auf dem Weltrechtsprinzip. Danach ist nationales Strafrecht auch auf Delikte anwendbar, die nach dem Völkerrecht strafbar sind. Das Land, in dem die Klage erhoben wird, muss keinen spezifischen Bezug zu dem Land haben, in dem die mutmaßliche Straftat begangen wurde.
CHRO-Geschäftsführer Salai Za Uk begrüßte Anfang Februar die Einleitung des Verfahrens und sagte nachdrücklich: „Angesichts der Geschichte Osttimors und der Demütigungen, die das timoresische Volk in seinem Unabhängigkeitskampf (gegen Indonesien) erlitten hat, besteht eine tiefe Solidarität mit den Menschen in Myanmar, gegen die die Junta fast stündlich entsetzliche Gräueltaten verübt.“
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