Er war 17 Jahre im selbgewählten Exil in London – nun ist Tarik Rahman neuer Premierminister von Bangladesch. Für viele Bangladescher war der Urnengang die erste echte Wahl seit 2008.
Fünf Tage nach der Wahl sind am Dienstag in Bangladesch die gewählten Parlamentarier sowie Tarik Rahman als neuer Premierminister vereidigt worden. Anschließend hätten die Abgeordneten auch den Eid als Mitglieder der Kommission zur Verfassungsreform geleistet, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur BSS.
Die Bangladesh National Party (BNP) und ihr Spitzenkandidat Rahman hatten bei der Wahl am 12. Februar eine Zweidrittelmehrheit im 300 Sitze umfassenden Parlament erreicht. Die islamistische Partei Jamaat-e-Islami und mit ihr verbündete Parteien – darunter die aus den Studentenprotesten 2024 hervorgegangene National Citizen Party (NCP) – gewannen 77 Sitze.
Beobachter zogen eine positive Bilanz der Wahl. Der Erzbischof von Dhaka, Bejoy N. D’Cruze, sagte dem asiatischen Nachrichtenportal Ucanews, das Ergebnis ebne den „Weg für den Aufbau eines verantwortungsvollen, auf Gerechtigkeit und Wohlfahrt ausgerichteten Staates“. Allerdings bestehe nach den Vorfällen von Lynchjustiz und Angriffen auf religiöse Einrichtungen in den vergangenen Monaten auch Anlass zur Sorge, so der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz Bangladeschs. Thomas Kean von der Denkfabrik Crisis Group sprach bei einer Pressekonferenz von der „ersten glaubwürdigen Wahl seit 17 Jahren“.
Das Wahlergebnis gilt als Votum für Stabilität. Bangladesch war auch nach dem Sturz von Premierministerin Sheikh Hasina durch Massenproteste im Sommer 2024 unter der Übergangsregierung von Friedensnobelpreisträger Mohammed Yunus nicht zur Ruhe gekommen.
Die BNP versteht sich als Mitte-Rechts-Volkspartei auf Basis des „vollen Vertrauens in Allah“, des Nationalismus, der Demokratie sowie sozialer Gerechtigkeit. Wahlsieger Rahman (60) war erst am 25. Dezember nach 17 Jahren im Exil aus London nach Bangladesch zurückgekehrt. Nur wenige Tage nach seiner Rückkehr starb im Alter von 80 Jahren seine populäre Mutter und Oppositionsführerin Khaleda Zia. Die Politikerin, die in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach als Premierministerin Bangladesch regierte, war von ihrer Rivalin Sheikh Hasina verfolgt und 2018 inhaftiert worden.
Text: KNA | Bild: Muhammadamdadphoto/stock.adobe.com



