Deutsche Unternehmen müssen sich stärker für die Beseitigung von Missständen im Kaffeeanbau einsetzen. Das fordert Misereor im Namen der „True Cost Alliance“ mit Blick auf eine neue Studie der Technischen Hochschule Nürnberg.
Der globale Kaffeemarkt produziert versteckte Schäden – bezahlt werden sie vor allem im globalen Süden. Eine neue Studie der TH Nürnberg beziffert erstmals die „wahren Kosten“ des Kaffeeanbaus. Die Untersuchung wird am 11. Februar auf der weltgrößten Bio-Messe „Biofach“ in Nürnberg vorgestellt.
Am Beispiel von Honduras und Uganda analysiert die Studie, in welchem Umfang beim Kaffeeanbau sogenannte externe Kosten entstehen – also ökologische und soziale Folgeschäden, die bislang nicht im Verkaufspreis enthalten sind. Erarbeitet wurde die Untersuchung im Rahmen des Projekts „True Cost Alliance“, in dem Misereor gemeinsam mit dem TMG Think Tank for Sustainability und der Technischen Hochschule Nürnberg Methoden zur Erfassung der „wahren Kosten“ von Agrar- und Ernährungssystemen entwickelt.
Hohe Umwelt- und Sozialkosten
Die Ergebnisse zeigen erhebliche ökologische und soziale Belastungen: Die Umweltfolgekosten belaufen sich laut Studie im Durchschnitt auf rund 7,20 US-Dollar pro Kilogramm Rohkaffee. Sie entstehen vor allem durch Treibhausgasemissionen, die Belastung von Böden und Gewässern sowie gesundheitliche Risiken in der Produktion – und sind durch die Einkaufspreise bislang nicht abgedeckt.
Hinzu kommen soziale Folgekosten zwischen 0,45 und 1,60 US-Dollar pro Kilogramm. Diese resultieren insbesondere aus niedrigen Einkommen, unsicheren Arbeitsbedingungen sowie Defiziten bei Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialer Absicherung. Viele Kaffeebäuerinnen und -bauern erzielten trotz harter Arbeit kein existenzsicherndes Einkommen, heißt es in der Studie.
Insgesamt ergeben sich laut Studie „wahre Kosten“ zwischen 7,67 und 8,82 US-Dollar pro Kilogramm Rohkaffee in Uganda und Honduras. Diese Summen spiegelten einen realen Wohlstandsverlust für die betroffenen Länder wider.
„Nachhaltigkeitsgedächtnis“ in der Bilanz
Misereor-Experte Wilfried Wunden hält es nicht für akzeptabel, die verdeckten Kosten allein über deutlich höhere Verbraucherpreise zu decken – also den Endpreis, den Kunden im Einzelhandel dafür bezahlen. Stattdessen schlägt die Studie vor, dass Unternehmen ein sogenanntes „Nachhaltigkeitsgedächtnis“ in ihre Rechnungslegung aufnehmen und Rückstellungen für bislang externalisierte Schäden bilden. Faire Produktionsbedingungen müssten von Beginn an in die Kalkulation einfließen.
„Aktuell bedient der globale Süden die globale Nachfrage, muss jedoch gleichzeitig die extremen sozialen und ökologischen Schäden bewältigen“, betonen die Studienautoren Lennart Stein und Benjamin Oebel von der TH Nürnberg.
Politische Rahmenbedingungen gefordert
Neben unternehmerischer Verantwortung sehen die Autoren auch politischen Handlungsbedarf. Mehr Transparenz- und Berichtspflichten könnten nachhaltige Produktionsweisen fördern und Wettbewerbsnachteile für verantwortungsvoll wirtschaftende Unternehmen vermeiden. Langfristig könne dies dazu führen, dass nicht nachhaltige Produkte teurer und nachhaltige Alternativen relativ günstiger würden.
Nach Einschätzung von Misereor wird dieses Ziel jedoch nur erreichbar sein, wenn entsprechende Vorgaben für die Unternehmensbilanzierung gesetzlich verankert werden.
Zu Misereor
Text: weltkirche.de mit Information von Misereor | Bild: Florian Kopp / Misereor







