Präsident Santiago Peña bot seinen Rücktritt an, die Parlamente bestehen auf einem Amtsenthebungsverfahren. Der Zusammenbruch einer Online-Bank lässt Hunderttausende in Paraguay um ihre Ersparnisse bangen.
Text: Tobias Käufer/KNA | Bild: Oliver Schmieg/Adveniat
Das südamerikanische Land Paraguay schlittert in eine tiefe institutionelle Krise. Wegen des Zusammenbruchs des Online-Finanzdienstleisters Ueno bot der rechtskonservative Präsident Santiago Peña am Donnerstag seinen Rücktritt an, die Parlamente bestehen allerdings auf einem Amtsenthebungsverfahren und einer Untersuchung der Verantwortlichkeiten. Wie es nun weitergeht, ist unklar, Peña will sich dem Verfahren stellen.
In der Hauptstadt Asunción gingen erneut zahlreiche Menschen auf die Straße und forderten die Auszahlung ihrer Vermögenswerte der in Schieflage geratenen Bank. Die Polizei musste das Parlament gegen die aufgebrachten Demonstranten schützen. Peña wird vorgeworfen, wegen persönlicher Querverbindungen in einen Interessenkonflikt geraten zu sein und seine politische Verantwortung vernachlässigt zu haben.
Die Ersparnisse von bis zu drei Millionen Bankkunden seien in Gefahr berichten paraguayische Medien. Mehr als 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung des Landes sind demnach direkt oder indirekt betroffen. Der schnell gewachsene Finanzdienstleister verfügte zuletzt über ein Netz von mehr als 70 Filialen. Auch der südamerikanische Fußball-Verband Conmebol mit Sitz in Asunción bangt um Vermögenswerte in Millionenhöhe.
Auslöser der Krise war laut lokalen Medienberichten eine Intervention der Zentralbank, die eine Verschlechterung der Solvabilität des Unternehmens festgestellt hatte. Die Solvabilität misst die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Geschäftstätigkeit abzusichern und eventuelle Verluste mit Eigenkapital auszugleichen, sie fungiert also als eine Art finanzielles Polster gegen Risiken.
Auch Staatsgeld betroffen?
Der Bankenführung wird vorgeworfen Kredite auf Unternehmen konzentriert zu haben, die mit seinen Eigentümern verbunden waren, ohne dass diese ausreichend abgesichert gewesen seien. Inzwischen sind acht Ueno-Manager, darunter der Gründer der Gruppe und der Vorstandsvorsitzende der Bank festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft hat insgesamt gegen 27 Personen Ermittlungen wegen Untreue und versuchtem Betrug aufgenommen.
Präsident Peña war laut Medienberichten bis März 2025 Aktionär der Grupo Vázquez, die die Bank kontrolliert. Der Staatschef hatte zudem Carlos Carvallo an die Spitze der Zentralbank berufen, der Chef der Vorgängerin der Bank gewesen war.
Der Skandal hat auch die katholische Kirche des Landes zu einer Stellungnahme veranlasst, die Transparenz, eine juristische Aufarbeitung und Gerechtigkeit verlangte. Am Rande ihrer Vollversammlung kommentierten die paraguayischen Bischöfe: „Hinter jeder Einlage stehen Anstrengungen, Pläne und Hoffnungen, die respektiert werden müssen. Wir sagen allen: Ihr seid nicht allein.“ Sie kritisierten: „Es gab Warnungen, die nicht rechtzeitig beachtet wurden, und wie so oft sind es die Schwächsten, die am meisten leiden.“
Mit Blick auf staatliche Gelder für Renten und Sozialausgaben forderten die Bischöfe, dass klar dargelegt werden müsse, wie viel Geld der staatlichen Institutionen bei dieser Bank gelegen habe und wie es geschützt werden könne. „Dieses Geld gehört dem Volk“, schrieben die Bischöfe. Der Kongress, die Staatsanwaltschaft, der Rechnungshof und die Zentralbank seien nun gefordert, die Vorfälle zu untersuchen, die Verantwortlichkeiten zu klären und die entsprechenden Sanktionen zu verhängen. Es dürfe keine Privilegien oder Straffreiheit geben.






