Es ist eine Aktion der Superlative: In weit über 700 Orten in Deutschland wird in diesen Tagen die kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt gefeiert. Im Vorlauf hatten Bischöfe verschiedener Konfessionen vor zunehmender Ausgrenzung gewarnt.
Mit einem ökumenischen Gottesdienst sowie einem großen Fest mit buntem Bühnenprogramm ist am Sonntag in Leipzig die bundesweite Interkulturelle Woche (IKW) 2026 eröffnet worden. Bis zum 4. Oktober 2026 werden in über 750 Städten, Gemeinden und Landkreisen rund 6.000 Veranstaltungen stattfinden. Damit bleibt die seit 1975 regelmäßig stattfindende Aktion eine der größten zivilgesellschaftlichen Initiativen in Deutschland.
In einem gemeinsamen Wort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2026 warnten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heiner Wilmer, die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischöfin Kirsten Fehrs, und der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofkonferenz in Deutschland, Metropolit Augoustinos, vor einer Schwächung demokratischer Strukturen, dem Verlust von Solidarität und einer zunehmenden Ausgrenzung von Menschen. Gerade jetzt gelte es, klar Haltung zu zeigen, Menschenwürde zu schützen und sich nicht bange machen zu lassen, heißt es in dem Text. Christlicher Glaube heiße, an der Seite der Schwachen und Schutzsuchenden zu stehen – unabhängig davon, woher sie kommen oder warum sie fliehen mussten.
Beatre Sträter, Vorsitzende des Ökumenischen Vorbereitungsausschusses, zeigte sich beeindruckt von den Menschen, die ‚bei der Aktionen planen und durchführen. „Sie engagieren sich nicht nur in dieser Woche, sondern auch im Rest des Jahres stetig und unermüdlich: für ein friedliches Zusammenleben, für den Schutz unserer Demokratie, für den Schutz von Menschen, die von Rassismus, Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit betroffen sind“, sagte sie. Es müsse nun darum gehen, Verbindungen und Netzwerke weiter zu stärken, füreinander einstehen und – wo nötig – auch ganz konkrete Hilfe zu leisten, so Sträter.
Unantastbare Würde
Auch Heinrich Timmerevers, früher Bischof von Dresden-Meißen, sprach bei den Eröffnungsfeierlichkeiten – und ging auf die allgemeine Verunsicherung in Zeiten von Krisen und Kriegen ein. Diese verhelfe einfachen Sätzen und scheinbar eindeutigen Schuldigen zu einer Konjunktur und begünstige ein „Dagegen“ oder ein „Ich zuerst. Vielleicht noch: Wir zuerst“. Er hob hervor, damit seien Grenzen schnell gezogen zwischen einem „wir“ und den „anderen“. Jesus hingegen lege in den Seligpreisungen sein eigenes „Dafür“ vor. „Er ist dafür, dass Menschen Frieden stiften. Er ist dafür, dass Menschen nach Gerechtigkeit hungern und dürsten. Er ist dafür, dass Barmherzigkeit nicht als Schwäche, sondern Stärke gilt. Er ist dafür, dass Sanftmut stärker sein kann als Aggression“, so Bischof Timmerevers. Sich dies zu eigen zu machen, heiße für den Einzelnen, „ernst zu machen“ und eine Haltung zu entwickeln, den Anderen nicht als Konkurrenten, als Fremden oder als Problem zu sehen, sondern als „einen Menschen, dessen Würde genauso unantastbar ist wie meine eigene“, betonte er.
Allein in Leipzig veranstalten 50 Organisationen im Rahmen der Interkulturellen Woche rund 100 Aktionen. Die Eröffnungsfeier fand in der evangelischen Thomaskirche statt, in der einst das heute weltberühmte Musikgenie Johann Sebastian Bach wirkte. Im Umfeld der Kirche wurde im Anschluss ein „Vielfaltsfest“ gefeiert, bei dem 25 Initiativen –Vereine, Initiativen, Religionsgemeinschaften und Städtepartnerschaftsvereine – über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg ihre Arbeit direkt vorstellen und zur Begegnung einladen konnten.
Die Interkulturelle Woche ist eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie und findet seit 51 Jahren immer Ende September statt. Sie wird unterstützt und mitgetragen von Kirchen, Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, Integrationsbeiräten und -beauftragten, Vereinen, Bildungsträger und Bildungsträgerinnen, Migrantenorganisationen, Religionsgemeinschaften und Initiativgruppen. In über 750 Städten und Gemeinden werden in diesem Jahr insgesamt rund 6.000 Veranstaltungen durchgeführt. Der „Tag des Flüchtlings“, 2026 am 2. Oktober, ist Bestandteil der Aktionswoche.
Text: weltkirche.de | Bild: Jule Onda/ÖVA







