Mehr Austausch, mehr Mitsprache, weniger Kontrolle: Eine päpstliche Studiengruppe schlägt Änderungen für die regelmäßigen Rom-Besuche katholischer Bischöfe vor. Bischof Felix Genn spricht von einem tiefgreifenden Wandel.
Die regelmäßigen Besuche katholischer Bischöfe im Vatikan sollen nach dem Willen einer internationalen Studiengruppe künftig stärker von Austausch und gemeinsamer Beratung geprägt sein. Auch Laien sollen die sogenannten Ad-limina-Besuche mit vorbereiten, an ihnen teilnehmen und anschließend an der Auswertung beteiligt werden. Das geht aus dem Bericht einer von Papst Franziskus 2024 eingesetzten Studiengruppe hervor, wie das Bistum Münster am Donnerstag mitteilte. Koordiniert wurde die zwölfköpfige Gruppe vom emeritierten Münsteraner Bischof Felix Genn.
Die Bischöfe eines Landes reisen in der Regel alle fünf bis acht Jahre nach Rom, um mit dem Papst und Vertretern der vatikanischen Behörden zu sprechen. Künftig sollen die Treffen nach den Vorstellungen der Studiengruppe einen stärker kollegialen und synodalen Charakter bekommen. Vorgesehen ist unter anderem ein intensiverer Austausch in Kleingruppen mit dem Papst.
Zudem soll sich ein Besuch auf wenige zentrale Themen konzentrieren. Diese sollen nach der Rückkehr der Bischöfe in ihren Bistümern weiter behandelt werden.
„Sowohl die Verantwortlichen in Rom als auch die Bischöfe in den Ortskirchen müssen ein synodales Miteinander noch stärker lernen“, erklärte Genn. Die Ad-limina-Besuche dürften kein Kontrollorgan mehr sein. Nötig sei ein anderer Stil im Verhältnis zwischen den Ortskirchen und Rom. Genn sprach von einem „Paradigmenwechsel für alle Seiten“.
Laut Angaben des Bistums soll bei jedem Ad-limina-Besuch auch über sexuellen Missbrauch sowie den Schutz Minderjähriger und schutzbedürftiger Erwachsener gesprochen werden. Die Studiengruppe habe dazu mit der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen zusammengearbeitet.
Der Bericht entstand den Angaben nach infolge der Weltsynode, einem weltweiten Beratungsprozess über mehr Beteiligung und gemeinsames Entscheiden in der katholischen Kirche. Er sei als Grundlage für die weitere Beschäftigung von Bischöfen, Laien und der römischen Kurie mit der Reform der Besuche gedacht. Papst Leo XIV. habe den Text bewusst öffentlich zugänglich gemacht. Genn betonte: „„Es kann nicht nur Papier bleiben und ad acta gelegt werden, sondern es muss nun auch gehandelt werden.“
Text: KNA | Bild: Julia Steinbrecht/KNA




