Ob mit Milch, aus der Siebträgermaschine oder gefiltert: Kaffee ist das beliebteste Heißgetränk in Deutschland – und es verbindet seit Jahrhunderten die Welt. Fair produziert ist in den meisten Fällen aber immer noch nicht.
Text: Katrin Gänsler/KNA | Bild: Jürgen Escher/Adveniat
Dieser Duft ist einzigartig und unwiderstehlich. Morgens zieht er durch Millionen Küchen und Büroräume; ein Treffen am Nachmittag ist ohne ihn undenkbar; und wer es eilig hat, füllt ihn in einen To-Go-Becher: Kaffee. Am 1. Oktober wird er mit einem eigenen Tag geehrt. Gerade in Deutschland ist Kaffee so beliebt wie kein anderes Getränk. Pro Kopf trinkt jeder jährlich rund 163 Liter.
Der Ursprung des Kaffees liegt Tausende Kilometer entfernt – wohl im äthiopischen Hochland – verlässlich dokumentiert ist das nach Informationen des Deutschen Kaffeeverbandes aber nicht. Stattdessen gibt es eine Reihe an Legenden.
Eine erzählt die Geschichte von Kaldi, einem Hirten, und seinen Ziegen. Im 9. Jahrhundert ließ er in der Region Kaffa seine Tiere weiden und fand sie eines Tages ungewöhnlich lebhaft vor. Er machte sich auf die Suche und entdeckte auf der Weide eine Pflanze mit Früchten, ähnlich einer Kirsche. Auch Kaldi probierte sie und war mitten in der Nacht hellwach.
Mitunter wird die Legende so weitererzählt: Der verwunderte Kaldi brachte die Früchte in ein Kloster; für einen der Mönche klang das nach Teufelswerk, weshalb er sie ins Feuer warf. Quasi aus Versehen wurden die ersten Kaffeekirschen geröstet. Für die Mönche eine fantastische Entdeckung, nutzten sie das belebende Getränk doch, um für nächtliche Gebete wach zu bleiben.
Heute ist Äthiopien für seinen Arabica-Kaffee bekannt. Ob das Getränk aufgrund der dortigen Region Kaffa seinen Namen erhielt, ist unklar.
Bekannter wurde Kaffee, als Sklavenhändler keimfähige Bohnen auf die Arabische Halbinsel brachten. Dafür wird mitunter bereits das 11. Jahrhundert genannt, häufig jedoch das 14. Jahrhundert. Weil die Kirschen oft verdarben, begann der Anbau auf der Arabischen Halbinsel. Dreh- und Angelpunkt wurde die Hafenstadt Mokka – auch als Mocha bekannt – am Roten Meer im heutigen Jemen. Der Name Mokka hat sich bis heute für eine traditionell orientalische Art der Kaffeezubereitung gehalten.
Mittlerweile ist dort vom einstigen Glanz des Kaffeebooms nichts geblieben: Mitte September nahmen die Huthi-Milizen Mokka ein; die jemenitische Kaffee-Ausfuhr macht am weltweiten Export weit weniger als ein Prozent aus.
Aber nicht so im 15. Jahrhundert. Dem Jemen gelang es, ein Kaffeemonopol zu errichten; in einer Region, in der das heiße Getränk immer beliebter wurde. Dazu trug der Sufi-Gelehrte Muhammad Ibn Said Al Dhabhani bei. Das erste Kaffeehaus soll 1511 in der Stadt Mekka eröffnet worden sein.
Auf der Arabischen Halbinsel entstand letztendlich auch der Name. Kaffee, so schreibt der deutsche Kaffeeverband, leitet sich vom altarabischen „qahwah“ ab, was belebendes Getränk, Willenskraft oder Stärke bedeuten kann.
Damit soll, heißt es weiter, ursprünglich allerdings Wein gemeint gewesen sein – verboten für gläubige Muslime. Die Türken sprachen von „kahweh“. Wegen der anregenden Wirkung soll daraus der „Wein des Islam“ entstanden sein.
Ungerechter Kaffeemarkt
Im Zuge der Kolonialisierung und frühen Globalisierung trat der Kaffee seine Reise um die Welt an, etwa nach Sri Lanka, das heute für seinen Tee bekannt ist. Mitgebracht hatte die Bohne die niederländische Ostindien-Kompanie, die im 17. Jahrhundert Kaffee auf der Insel anbauen ließ.
Dabei gab es in Europa lange Widerstand; Kaffee galt als Getränk der „Ungläubigen“. Ein Verbot versuchten Kritiker sogar beim Papst höchstpersönlich zu erwirken, heißt es. Doch Clemens VIII. (1592-1605) ließ sich eine Tasse zubereiten, kostete und befand: „Dieses Getränk des Satans ist köstlich.“ Aber auch hier gilt: Vielleicht ist es nur eine schöne Legende.
Anders der Beginn der Kaffeehäuser: in Venedig im Jahr 1645, London (1652) und Paris (1672) folgten. In den deutschen Ländern war es die Hansestadt Bremen im Jahr 1673. Wien – die Wiener Kaffeehauskultur ist seit 2011 immaterielles Welterbe der Unesco – zog erst zehn Jahre später nach.
Schnell wurden die Orte zu Treffpunkten, um Zeitung zu lesen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und um politische Debatten zu führen. In England wurden Kaffeehäuser zu „Penny Universities“, boten sie doch zum Preis von einer Tasse Kaffee Zugang zu Wissen und intellektuellen Diskussionen.
Doch auch der Kaffeekonsum zuhause stieg. In Preußen passte das im späten 18. Jahrhundert Friedrich dem Großen nicht. Er befand: Sollten die Deutschen doch lieber heimisches Bier trinken und nicht Kaffee aus den teuer importierten Bohnen. Am 21. Januar 1781 verbot er landesweit das private Kaffeerösten im ganzen Land. Um es durchzusetzen, wurden sogar Kaffeeschnüffler eingesetzt. Sein Nachfolger König Friedrich Wilhelm II. ließ das Verbot 1787 schließlich wieder aufheben.

Kaffee ist auch verbunden mit allerlei Erfindungen. Melitta Bentz ließ sich 1908 den Kaffeefilter patentieren, der schon vor ein paar Jahren sein Comeback feierte. Filterkaffee schmeckt längst nicht mehr nach Schwiegereltern und Deutscher Bahn. Angesagt sind auch Siebträgermaschinen und Vollautomaten; Kaffee gibt es in Pads, Kapseln und aus der Frenchpress.
Eins ist geblieben: Kaffee ist ein globales Getränk – und ein ungerechtes. „Weltweit wird nach wie vor nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Kaffees unter Bedingungen gehandelt, die als fair bezeichnet werden können“, sagt Wilfried Wunden, Referent für Fairen Handel beim katholischen Hilfswerk Misereor. Je nach Definition und Zertifizierung liege der Anteil des fairen Kaffee-Anbaus im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Zu finden ist er in Ländern des Globalen Südens, Platz eins belegt Brasilien, wo rund ein Drittel angebaut wird. Doch vom finalen Ladenpreis erhalten die Kaffeebauern nur vier bis fünf Prozent. Laut Angaben der zivilgesellschaftlichen Organisation Solidaridad Network bleiben weniger als 10 Prozent des Gesamtwertes in den Produktionsländern.
Wunden verweist auch auf die hohen sozialen und ökologischen Schäden. Laut Berechnungen für Honduras und Uganda würden die Umweltfolgekosten im Durchschnitt rund 7,20 US-Dollar pro Kilogramm Rohkaffee betragen. Sie entstünden vor allem durch Belastungen von Böden und Gewässern sowie Gesundheitsrisiken in der Produktion.
Fairen Kaffee zu kaufen, sollte, so Wunden, eine Grundvoraussetzung sein – aber nicht nur zuhause, sondern in Betriebskantinen, Lehrerzimmern oder im Stadtrat. „Die Art von öffentlicher und auch kirchlicher Beschaffung von Waren ist volkswirtschaftlich bedeutsam und kann Signalwirkung entfalten.“






