In der Debatte um Einwanderung und nationale Identität wird in Europa teils das christliche Erbe bemüht. Der Erzbischof der serbischen Hauptstadt sieht darin einen Widerspruch.
Angesichts von Migrationsangst und wachsender Uneinigkeit innerhalb der EU muss Europa sich nach Meinung von Belgrads Kardinal Ladislav Nemet mehr als „gemeinsames Haus“ präsentieren. Wenn Europa als christlicher Kontinent wahrgenommen werden wolle, müsse man nationalistischen Spannungen und Fremdenfeindlichkeit entschieden entgegentreten, sagte der Kardinal laut der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress am Sonntag. Die Vorgänge um die Massenflucht nach Ceuta hätten gezeigt, wie bewusst Angst geschürt werde.
Der Kardinal der serbischen Hauptstadt mahnte auch mehr Zusammenarbeit der Kirchen in Europa für den Frieden an. Weiter sprach er sich für die Aufnahme Serbiens in die EU aus. In den vergangenen Jahren habe die EU-Begeisterung in dem Land nachgelassen. „Die Menschen haben sich mehr Hilfe von der EU erwartet“, sagte Nemet. Dass die EU inzwischen andere Aufnahmekriterien habe als beispielsweise für Griechenland oder Portugal, sei „politisch unklug“.
An die Politik Serbiens gewandt bezeichnete der Kardinal das Image eines russland- und chinafreundlichen Landes als schädlich. Jährlich wanderten 60.000 serbische Bürger in die Europäische Union ab, nicht nach Moskau oder Peking. Die Entwicklungen, die eine Aufnahme in die EU bremsten, seien enttäuschend; dennoch wolle er in seiner Rolle „ausharren, nicht aufgeben und bei jeder Möglichkeit darüber sprechen, dass der Beitritt möglich und die Union nicht der größte Feind von Serbien ist“.
Hoffnung äußerte Nemet für sein Heimatland Ungarn unter der neuen Regierung von Péter Magyar. Diese suche mit allen Kirchen den Dialog über die jeweilige Rolle. Früher habe es „eine Abmachung zwischen Freunden“ gegeben, aber keine gesetzlichen Vereinbarungen etwa über soziale und pastorale Tätigkeiten. Klar sei: „Die Kirche ist nicht dazu da, eine gewisse Regierung zu unterstützen“, betonte Nemet.
In der Vergangenheit hätten viele junge Ungarn die Kirche verlassen, weil die Kirche die Sorge vor einer großen Nähe zur Regierung nicht ernst genommen habe „und deswegen auch die Augen verschlossen hat vor Phänomenen, die nicht normal in einem sogenannten christlichen Staat sein sollten“, sagte Nemet.
Text: KNA | Bild: Markus Nowak/Renovabis






