Blühende Bougainvillea an einer Lehmmauer in Sidi Bou-Said nahe Tunis am 22. April 2017. Bild: Alexander Brüggemann/KNA

Strände, Gräber und Savanne – Unesco berät über neue Welterbestätte

Was haben Aachener Dom, Wattenmeer, Chinesische Mauer und Machu Picchu gemeinsam? Alle tragen den Titel Unesco-Welterbe. Jetzt wird wieder über Neuaufnahmen beraten, die vor allem auf einem Kontinent liegen.

Text: Katrin Gänsler/KNA | Bild: Alexander Brüggemann/KNA

Das Unesco-Welterbekomitee berät ab Sonntag auf seiner Tagung im südkoreanischen Busan über Neuaufnahmen in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt. 33 Nominierungen gibt es; zwei Drittel davon sind Kulturdenkmäler, sieben weitere herausragende Naturdenkmäler. Einmal wird zudem über eine Veränderung der Kriterien beraten, zweimal über ein verändertes Gebiet.

Das trifft auch auf die einzige Nominierung aus Deutschland zu, die Waldsiedlung Zehlendorf. Mit der Aufnahme soll die seit 2008 bestehende Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“ erweitert werden. Damals ging das Viertel leer aus. Nach Sanierungen, Bürgerinitiativen und vielen Gesprächen sollten nun die Chancen aber gut stehen.

Nachbar Frankreich könnte 2026 hingegen als einziges Land bald zwei neue Welterbestätten haben. 54 Orte tragen dort bereits den Titel. Neu hinzukommen könnten die D-Day-Landungsstrände der Normandie, an denen am 6. Juni 1944 über 150.000 alliierte Soldaten anlandeten. Ebenfalls auf französischem Boden liegt die imposante Festungsanlage Carcassonne aus dem 13. und 14. Jahrhundert, über deren Aufnahme ebenfalls abgestimmt wird.

Spitzenreiter bleibt allerdings Italien mit 61 Welterbestätten. Zuletzt kamen 2025 die Feenhäuser auf Sardinien hinzu. Für die Sitzung in Busan nominiert sind nun die Condominio-Theater. Sie entstanden zwischen Mitte des 17. und 18. Jahrhunderts oft als Gemeinschaftseigentum in Kleinstädten und waren gesellschaftlicher Treffpunkt. Besonders in den Regionen Emilia-Romagna, Marken und Umbrien sind viele Spielstätten bis heute erhalten.

Um große Bühnen geht es auch bei der Nominierung aus Brasilien. So sollen das Teatro Amazonas und das Teatro da Paz (Friedenstheater) in den Städten Manaus und Belém aufgenommen werden. Laut Unesco symbolisieren die Baudenkmäler den wirtschaftlichen Aufschwung im späten 19. Jahrhundert durch den Kautschukboom im Amazonasgebiet. Es ist die einzige Nominierung aus Lateinamerika. Mit dem Sumpfgebiet und Nationalpark Okefenokee National Wildlife Refuge im US-amerikanischen Bundesstaat Georgia gibt es einen weiteren Titelanwärter aus Nordamerika.

Zurück nach Europa und zu Finnlands bekanntestem Architekten, Städteplaner und Designer: Alvar Aalto (1898-1976). Auch sein Werk soll künftig Welterbe sein, inspirierte es doch viele andere weit über die Grenzen Finnlands hinaus. Ikonisch und weltberühmt ist die Aalto-Vase mit asymmetrischem Grundriss und organischer Linienführung. Die lässt sich auch in Essen erleben, wo das Aalto-Theater nach seinen Entwürfen steht.

Bunt gestrichenes Wohngebäude zwischen Kiefern am 8. Juli 2026 in der als "Papageiensiedlung" bekannten Waldsiedlung Zehlendorf in Berlin. Bild: Julius Rübe/KNA
Bunt gestrichenes Wohngebäude zwischen Kiefern am 8. Juli 2026 in der als Papageiensiedlung bekannten Waldsiedlung Zehlendorf in Berlin. Bild: Julius Rübe/KNA

Mit 44 Stätten hat Indien bereits viel Welterbe zu bieten. Jetzt könnte mit Sarnath die buddhistische Pilgerstätte bei Varanasi folgen. Die ersten Bauten dort stammen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Auf indischen Websites wird der Ort als Wurzel des Buddhismus bezeichnet.

Insgesamt liegen 16 der nominierten Orte und Erweiterungen in Asien und somit weit mehr als auf jedem anderen Kontinent. Dazu gehören in China die Stätten der handwerklichen Porzellanindustrie in Jingdezhen. Die Stadt im Osten des Landes trägt auch den Beinamen Porzellan-Hauptstadt. Ebenfalls beraten wird die moderne Architektur in Taschkent, Hauptstadt von Usbekistan.

In der Mongolei liegen die Grabstätten der Xiongnu, die als frühe Vorfahren der heutigen Mongolen gelten. Sie gründeten einst ein riesiges Reich. Aufgenommen werden sollen nun fünf Grabstätten.

Fünf Nominierungen stammen aus afrikanischen Staaten. Dazu gehört in Tunesien das Dorf Sidi Bou Saïd (Artikelbild oben). Reiseführer beschreiben es als hübschen Künstlerort. Der offizielle Bewerbungstitel lautet „Zentrum kultureller und spiritueller Inspiration im Mittelmeerraum“.

Als Naturstätte steht im Südsudan das rund 37.500 Quadratkilometer große Savannenökosystem Boma-Badingilo Migratory Landscape zur Beratung. Es wäre die erste Welterbestätte des jüngsten Staates, der erst seit 15 Jahren unabhängig ist.

Doch es ist Eile geboten, wie auch bei der Nominierung der Mount Amel Castles im Libanon und der des historischen palästinensischen Dorfes Sebastia. Eilverfahren gibt es dann, wenn eine Stätte durch Naturereignisse, Kriege oder Konflikte schwerwiegenden Gefahren ausgesetzt ist.

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