La Paz von El Alto aus gesehen. Martin Steffen/Adveniat

Angespannte Lage in Bolivien: Kirche wirbt für friedliche Lösungen

Straßenblockaden, Versorgungsengpässe und politische Spannungen: Die Lage in Bolivien in Bolivien ist angespannt. Besonders betroffen sind die Zwillingsstädte La Paz und El Alto, wo zentrale Verkehrswege seit Wochen blockiert werden. Lebensmittel, Treibstoff und Medikamente werden dadurch zunehmend knapp.

Nach Einschätzung des Theologen und Bolivienexperten Dr. Dietmar Müßig liegen die Ursachen der Krise vor allem in der schwierigen wirtschaftlichen Situation des Landes. Viele Menschen seien enttäuscht, dass sich die Lage auch nach dem Regierungswechsel im vergangenen November nicht verbessert habe, sagte Müßig der Pressestelle des Bistums Hildesheim. Zusätzlichen Unmut habe die Entscheidung von Präsident Rodrigo Paz ausgelöst, staatliche Subventionen für Benzin und Diesel zu streichen. Die Folge seien deutlich gestiegene Lebenshaltungskosten, die besonders arme Bevölkerungsgruppen träfen.

In den vergangenen sechs Wochen ist es wiederholt zu massiven Protestmärschen und dabei auch zu Ausschreitungen und teilweise gewaltsamen Auseinandersetzungen der Protestierenden mit der Polizei gekommen, berichtet Müßig, der fast 30 Jahre lang die Bolivienpartnerschaft des Bistums Hildesheim koordiniert hat und heute an der Universität Cochabamba und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt a.M. lehrt.

Den Protesten, die ursprünglich von Gewerkschaften ausgingen, haben sich inzwischen zahlreiche weitere Gruppen angeschlossen, darunter Bergarbeiter, Bauernorganisationen und indigene Gemeinschaften. Zugleich, so Müßig, werde die Krise von politischen Akteuren wie Ex-Präsident Evo Morales genutzt, um die Regierung unter Druck zu setzen. Immer häufiger werde der Rücktritt des Christdemokraten Rodrigo Paz gefordert.

Regierung setzt auf Dialog

Obwohl das Parlament den Präsidenten ermächtigt hat, den Ausnahmezustand auszurufen und das Militär einzusetzen, setzt die Regierung bislang auf Dialog. Ein militärisches Vorgehen berge die Gefahr einer weiteren Eskalation, warnt Müßig. „Dies würde bürgerkriegsähnliche Zustände und das Ende der jetzigen Regierung bedeuten. Darauf hoffen sowohl Morales und seine Anhänger als auch Tuto Quiroga.“ Letzterer hatte die Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr trotz guter Umfragewerte überraschend verloren. Bislang ist Präsident Paz nicht in die Falle getappt.

Die katholische Kirche des Landes ruft derweil zur Deeskalation auf. Gemeinsam mit der staatlichen Ombudsstelle für Menschenrechte setzt sie sich für humanitäre Korridore ein, damit Lebensmittel und Medikamente in die von Blockaden betroffenen Regionen gelangen können. Müßig ist allerdings skeptisch, ob diese Bitten bei den Hardlinern unter den Protestierenden etwas erreichen können. Derweil gibt es einen ersten Hoffnungsschimmer:

Für Müßig bleibt die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Konflikts. Angesichts der verfahrenen Situation wirbt er zugleich um Solidarität mit den Menschen in Bolivien und um das Gebet für einen Ausweg aus der Krise.

„Ich würde sagen, da hilft nur beten. Das soll jetzt gar nicht ironisch klingen; aber die Situation ist dermaßen verfahren und von außen kaum zu beeinflussen, dass ich wirklich denke: Lasst uns für die Geschwister in Bolivien beten, dass alle Beteiligten Wege finden, die vielfältigen Konflikte friedlich zu lösen und mit vereinten Kräften aus dieser schwierigen Lage herauszukommen“, so Müßig.

Text: weltkirche.de auf Basis von Bistum Hildesheim | Bild: Martin Steffen/Adveniat

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