Selbstbildnisse und Abgrenzungen: Auf der Suche nach Zugehörigkeit in einer krisenhaften Welt

Die KAAD-Jahresakademie führt in jedem Jahr Gäste aus Wissenschaft und Kirche mit den Stipendiaten zusammen, um gemeinsam Themen zu diskutieren, die für den KAAD und sein weltweites Netzwerk wichtig sind.

39. KAAD-Jahresakademie | 11. bis 14. Juni 2026

Die Welt ist von tiefgreifenden Krisen geprägt, zu denen Klimawandel, politische Instabilität und Kriege sowie globale Ungleichheit gehören. In dieser krisenhaften Weltlage wird die Frage danach dringender: Wer bin ich? Wohin gehöre ich? Denn Zugehörigkeit kann eine Kraftquelle sein: in familiären und nachbarschaftlichen Beziehungen, in solidarischen Gemeinschaften, zivilgesellschaftlichem Engagement oder interreligiösem Dialog. Überall dort, wo Menschen sich gegenseitig Anerkennung schenken, Verantwortung füreinander übernehmen und Räume des Vertrauens schaffen, entstehen Erfahrungen echter Beheimatung.

Doch wird die Antwort auf die Frage nach Zugehörigkeit verstärkt durch Abgrenzung bestimmt. Diese nimmt vielfaltige Formen an: Autoritäre Bewegungen erstarken, Ängste vor Migration, kulturellem Wandel oder auch Ressourcenknappheit werden politisch instrumentalisiert. Im Zuge einer vorgeblichen Klärung von „Zugehörigkeit“ entstehen neue exklusive Identitätsbilder, die nicht selten von patriarchalem und nationalistischem Denken begleitet werden. Durch soziale Netzwerke erhalten diese Selbstbildnisse eine zusätzliche, enorme Reichweite und Wirksamkeit.

In diesem Kontext wirken auch die Folgen von Kolonialismus und kultureller Dominanz bis heute fort. Besonders sind es indigene Gemeinschaften, die vielerorts um die Anerkennung ihrer Identität, ihrer Geschichte und ihres Lebensraums kämpfen. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass mancherorts auch religiöse Bewegungen und Akteure zur Ausgrenzung beitragen — indem sie die religiöse Identität als Abgrenzungsmerkmal betonen.

Kirchliche Stimmen weltweit, nicht zuletzt der verstorbene Papst Franziskus in seiner Enzyklika Fratelli tutti sowie Papst Leo XIV bei vielen Gelegenheiten, rufen darum eindringlich dazu auf, fatale Abgrenzungen zu überwinden und Räume echter Geschwisterlichkeit und offenen Dialogs zu schaffen.

In diesem Sinne möchte die 39. Jahresakademie des KAAD zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Kirche aus etwa fünfzig Ländern Selbstbilder und Abgrenzungsmechanismen in ihrer gegenwärtigen Dynamik und aus globaler Perspektive heraus reflektieren, um kritische Entwicklungen zu erkennen und Lösungsansätze zusammenzutragen.

Tagungsort

Haus Venusberg
Bildungsstätte des Erzbistums Köln
Haager Weg 28-30
53127 Bonn

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